Wann gilt Farbe als nachhaltiger?

Wird dies durch die Lebensdauer, den Anteil biobasierter Rohstoffe, den CO₂-Fußabdruck oder die Umweltbelastung bestimmt? In der Praxis spielen all diese Faktoren eine Rolle.

Wann gilt eine Farbe als nachhaltiger?

Auf die Frage, was genau eine nachhaltige Farbe ausmacht, gibt es keine einfache Antwort. Wird Nachhaltigkeit durch die Lebensdauer des Anstrichs, den Anteil biobasierter Rohstoffe, den CO₂-Fußabdruck oder die Umweltbelastung bei Herstellung und Nutzung bestimmt? In der Praxis spielen all diese Faktoren eine Rolle. Wer verschiedene Farben vergleichen möchte, tut daher gut daran, mehrere Eigenschaften gleichzeitig zu berücksichtigen.

Bei nachhaltiger Farbe geht es um mehr als nur Rohstoffe

Ein wichtiges Merkmal nachhaltiger Farbe ist ihre Schutzfunktion. Farbe sorgt nicht nur für eine ansprechende Optik, sondern schützt auch Holz, Metall und andere Oberflächen vor Witterungseinflüssen, Feuchtigkeit und Abnutzung. Je länger ein Farbsystem seine Schutzfunktion behält, desto seltener sind Instandhaltungsmaßnahmen erforderlich.

Weniger Instandhaltung bedeutet in der Regel einen geringeren Materialverbrauch, weniger Transportfahrten und einen geringeren Arbeitsaufwand über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes hinweg. Deshalb investieren Farbenhersteller kontinuierlich in die Entwicklung von Produkten, die zu einem längeren Instandhaltungszyklus beitragen. Eine längere Lebensdauer allein reicht jedoch nicht aus, um eine Farbe als nachhaltiger einzustufen. Auch die verwendeten Rohstoffe sowie die Auswirkungen von Produktion, Transport und Verarbeitung spielen eine wesentliche Rolle.

Die Rolle biobasierter Rohstoffe

Lacke, die biobasierte Rohstoffe enthalten, rücken zunehmend in den Fokus. Dabei handelt es sich um Rohstoffe aus erneuerbaren Quellen, wie beispielsweise Pflanzenöle. Historisch gesehen basierten Lacke tatsächlich größtenteils auf natürlichen Rohstoffen wie Leinöl und Kalk.

Moderne Lacksysteme wurden seitdem erheblich weiterentwickelt, um eine bessere Leistung in Bezug auf Verarbeitung, Deckkraft, Trocknungszeit und Haltbarkeit zu erzielen. Heute konzentriert sich die Lackindustrie zunehmend auf biobasierte Rohstoffe, die zu einer hohen Leistungsqualität beitragen und gleichzeitig den Einsatz fossiler Rohstoffe reduzieren.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, über den biobasierten Anteil allein hinauszuschauen. Auch die Herkunft der Rohstoffe, die Landnutzung, der Wasserverbrauch, die CO₂-Emissionen und der Transport beeinflussen die Gesamtumweltbelastung. Ein hoher Anteil an biobasierten Rohstoffen bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Produkt nachhaltiger ist. Bei der Bewertung muss die gesamte Lieferkette berücksichtigt werden.

Warum der CO₂-Fußabdruck wichtig ist

Ein weiterer Faktor, der bei nachhaltigen Farben zu berücksichtigen ist, ist der CO₂-Fußabdruck. Dieser gibt Aufschluss über die Menge der Treibhausgasemissionen, die mit der Gewinnung von Rohstoffen, der Produktion, der Verpackung und der Logistik verbunden sind. Der CO₂-Fußabdruck hilft dabei, verschiedene Produkte besser miteinander zu vergleichen, da er nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Auswirkungen des Produktionsprozesses und der verwendeten Rohstoffe berücksichtigt. Für Fachleute, Kunden und Verbraucher, die fundierte Entscheidungen treffen möchten, kann der CO₂-Fußabdruck daher neben der Produktlebensdauer und dem Rohstoffverbrauch ein wertvoller zusätzlicher Indikator sein.

Umweltauswirkungen gehen über CO₂-Emissionen hinaus

Auch die Umweltbelastung spielt bei der Bewertung nachhaltiger Farben eine Rolle. Dazu gehören Abfallströme, Emissionen, Rohstoffverbrauch und andere Auswirkungen, die in einer CO₂-Berechnung nicht direkt sichtbar sind. Da sich diese Aspekte nur schwer in einer einzigen Zahl ausdrücken lassen, werden häufig unabhängige Zertifizierungen und Bewertungssysteme herangezogen.

Diese bewerten Unternehmen in verschiedenen Bereichen, wie beispielsweise Umwelt, Transparenz, soziale Auswirkungen und Geschäftsabläufe. Für Verbraucher und Fachleute bietet dies zusätzliche Einblicke beim Vergleich von Produkten und Herstellern.

Nachhaltigkeit erfordert auch Transparenz

Bei der Beurteilung nachhaltiger Farben achten immer mehr Kunden und Verbraucher nicht nur auf das Produkt selbst, sondern auch auf das Unternehmen, das dahinter steht. Wie geht ein Unternehmen mit seinen Rohstoffen, seinem Energieverbrauch, seinen Mitarbeitern, seinem sozialen Engagement und seiner Transparenz um?

Ein Beispiel hierfür ist die internationale B Corp-Zertifizierung. Diese Zertifizierung bewertet Unternehmen in verschiedenen Bereichen, darunter Umweltauswirkungen, soziale Auswirkungen, Unternehmensführung und Transparenz. Eine B Corp-Zertifizierung bedeutet nicht, dass ein bestimmtes Lackprodukt automatisch nachhaltiger ist als ein anderes Produkt, aber sie gibt Aufschluss darüber, wie ein Unternehmen mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung umgeht.

Koninklijke Van Wijhe Verf, der Hersteller von Ralston Verf, war 2016 das weltweit erste Chemieunternehmen, das die B-Corp-Zertifizierung erhielt. Damit bekräftigt das Unternehmen die Bedeutung von Transparenz, kontinuierlicher Verbesserung und verantwortungsvollen Geschäftspraktiken. Bei der bewussten Entscheidung für nachhaltige Farbe ist es daher ratsam, nicht nur die Produkteigenschaften zu betrachten, sondern auch die Informationen, die ein Hersteller zu Rohstoffen, Produktionsprozessen, CO₂-Fußabdruck und Geschäftsabläufen bereitstellt.

Woran erkennt man eine nachhaltige Farbe?

Wer auf der Suche nach einer nachhaltigen Farbe ist, sollte unter anderem folgende Aspekte berücksichtigen:

  • die erwartete Lebensdauer des Farbsystems;
  • Informationen zu biobasierten oder nachwachsenden Rohstoffen;
  • verfügbare Daten zum CO₂-Fußabdruck;
  • unabhängige Zertifizierungen;
  • Transparenz hinsichtlich der Rohstoffe und Produktionsprozesse;
  • die Eignung des Produkts für den langfristigen Schutz des Untergrunds.

Durch die ganzheitliche Betrachtung dieser Faktoren ergibt sich ein umfassenderes Bild von der Nachhaltigkeit eines Lackprodukts.

Nachhaltige Lacke erfordern eine umfassende Bewertung

Es gibt kein einzelnes Merkmal, das für sich allein bestimmt, ob ein Lackprodukt nachhaltig ist. Eine längere Lebensdauer, die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, ein geringerer CO₂-Fußabdruck und die Berücksichtigung der Umweltauswirkungen können allesamt zu einer nachhaltigeren Wahl beitragen.

Es ist daher ratsam, sich nicht ausschließlich auf eine einzige Nachhaltigkeitsaussage zu konzentrieren, sondern verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. So erhalten Sie ein fundierteres Bild davon, welches nachhaltige Lackprodukt am besten zu Ihrem Projekt und Ihren Nachhaltigkeitszielen passt.

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